Benzinpreis zu niedrig
written by Deutschland-Portal on Jan 21, 2012
Dieser Tage kann man in diversen Medien Leserbriefe rund um das Thema Benzinpreis finden. Die Leser beschweren sich darin über “Abzocke an der Tankstelle” o.ä.. Auch das Gerücht Autofahrer seien die “Melkkühe der Nation” hält sich beständig.
Sicherlich werden die Öl-Multis, Spekulanten und andere am Benzin eine ordentliche Stange Geld mitverdienen. Jetzt jedoch Angst davor zu haben, dass “Tanken zum Luxus wird”, ist fehl am Platze. Durch die E10-Einführung, die die Autoindustrie der Regierung gegenüber als Beitrag zur CO2-Minderung propagiert hat, ist es zwar zu Preiserhöhungen beim Superbenzin gekommen, dies wird jedoch auf Grund der Problematik um den Klimawandel und noch mehr durch den Umstand, dass Öl eine endliche Ressource ist, nicht der letzte Stand der Preise sein.
Die Politik muss sich daher Gedanken machen, wie der Treibstoff bereits vor dem zu erwartenden extremen Anstieg bei einer zukünftigen Ölknappheit so besteuert werden kann, dass die Autofahrer zum Umdenken angeregt werden, bevor es zu spät ist. Dadurch würde es auch möglich, einen größeren Teil der durch die Automobilität entstehenden gesellschaftlichen Kosten (Feinstaubbelastung, Klimawandel usw.) durch Steuern zu decken. Darüber hinaus muss überlegt werden, wie in Zukunft allen Bürgern, trotz weiter steigender Treibstoffpreise, eine angemessene Mobilität (insbesondere mit Bus und Bahn) ermöglicht werden soll.
Viel drängender als der Benzinpreis ist jedoch ein anderes Problem: Solange Straßenneubauprojekte wie die A39, mit zukünftigen Ölpreisen kalkuliert werden, die weniger als der Hälfte des aktuellen Preises entsprechen (1)/(2), wird im Straßenbereich ein Überangebot bereitgestellt und der notwendige Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs vernachlässigt. Die Bevölkerung wird folglich nicht frühzeitig auf die anstehenden Änderungen vorbereitet, sondern von der zukünftigen Entwicklung überrannt werden.
(1) “Obwohl der Ölpreis heute schon bei knapp 70 US-Dollar liegt, kalkuliert der Bundesverkehrswegeplan, der zurzeit aktualisiert wird, nach Vorgabe des Bundesverkehrsministeriums mit einem Ölpreis von maximal 42 US-Dollar pro Barrel für das Jahr 2020.” – Quelle: http://www.allianz-pro-schiene.de/personenverkehr/studie-steigende-oelpreise-befluegeln-das-bahnfahren/
(2) Ölpreis der letzten 12 Monate zwischen 74,93 USD und 114,81 USD; Tagespreis 98,40 USD; jeweils bezogen auf den WTI-Preis – Brent deutlich teurer – Quelle http://www.finanzen.net/rohstoffe/oelpreis