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Jul 09, 2008
Neben anderen prominenten CDU-Poltikern wirbt auch Wolfgang Kauder, der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, für den “Ausstieg aus dem Ausstieg”:
Das Einzige, was wir direkt beeinflussen können, sind die Strompreise. Deshalb “Wir haben ein ganz klares Ziel: Raus aus der Koalition – rein in die Stabilität”. Die Hälfte unserer Grundlast wird von Kernenergie erzeugt…
Und weiter
Wir wollen den Ausstieg vom Ausstieg. Die Kernkraftwerke müssen länger laufen können. Mehrere große Stromerzeuger haben bereits erklärt, dass sie bereit sind, die zusätzlichen Gewinne aus längeren Laufzeiten an die Kunden zurückzugeben und Strom zu verbilligen.
Generalsekretär Pofalla lies sich sogar zu der Aussage hinreißen:
Kernkraft ist für die CDU Öko-Energie.
Fassen wir einmal zusammen:
- Die CDU glaubt, mit Atomkraft den Klimawandel zu stoppen.
- Durch die Verlängerung der Laufzeiten soll der Strompreis sinken.
Was dabei vergessen wird:
Atomkraft ist keine erneuerbare Energie, sondern genau wie andere Energieformen auf einen Energieträger angewiesen. Bei diesem Energieträger handelt es sich zumeist um Uran. Daraus ergeben sich mehrere Probleme:
- Mit der Nutzung der Atomkraft zu zivilen Zwecken gehen oft militärische Nutzungen einher.
- Die Atomkraft führt – auch ohne einen GAU – zu einer zunehmenden Strahlenbelastung.
- In der Nähe von Atomkraftwerken kommt es zu einem Anstieg an Leukämiefällen.
- Auch die Uran-Reserven sind endlich. In 2006 ging die Förderung merklich zurück. Zwar stieg die geschätzte Produktion in 2007 wieder auf das Niveau von 2005, wie lange die Reserven noch reichen ist aber, wie bei Öl, Kohle und Erdgas, umstritten.
In einem Bundestags Infobrief finden sich dazu folgende Angaben:
Die Jahresproduktion von Natururan lag im Jahr 2004 mit 40.657
Tonnen deutlich unter dem Verbrauch von 68.000 Tonnen (BGR 2004). Diese Situation
wird sich jedoch nach Expertenmeinung in nächster Zeit verändern, wenn die militärischen
Bestände weitgehend abgebaut sein werden (Max 2005). Es wird daher vielfach
darauf hingewiesen, dass für eine weitere Nutzung der Kernkraft eine baldige Steigerung
der Kapazitäten im Uranbergbau unabdingbar ist2 (Max 2005).
Die Studie geht – bei unveränderter Nutzung des Urans – von einer Reichweite der bekannten Vorräte von 47 Jahren (ab 2005) aus. Unter Berücksichtigung vermuteter Reserven könnte die Reichweite auch 166 Jahre betragen. Dies setzt aber auch den Abbau von Quellen mit geringem Urgangehalt voraus, der dazu führt dass die strahlenbelasteten Abbaurückstände mengemmäßig zunehmen.
Diese Laufzeiten können jedoch nicht eingehalten werden, da neben den USA und Frankreich auch weitere Staaten zusätzliche Atomkraftwerke bauen oder planen. Die Vorräte werden dadurch schneller zur Neige gehen als in der oben genannten Studie vermutet.
- Energywatch weist in einem Hintergrundpapier zum Uranpreis auf die in den letzten Jahren massiv gestiegenen Preise hin. Lag der Preis zwischen 1985 und 2004 nahezu unverändert unter 5 $ je Pfund, ist er bis zum Sommer 2007 auf 140 $ angestiegen. Auch hier wird, wie bereits im Bundestagspapier, darauf hingewiesen dass der derzeitige Jahresverbrauch nur zu 2/3 aus Uranabbau gewonnen wird. Dieser Anteil muss auf 100% steigen, da die Reserven nicht mehr lange reichen.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass die ganze Aktion der CDU lediglich Wahlkampfzwecken dient. Die Partei versucht den Wählern weiszumachen, dass durch längere Laufzeiten der Atromanlagen tatsächlich ein Rückgang der Energiepreise erreichbar sein könnte. Die dargestellte Preisentwicklung beim Uran, die in den letzten Jahren noch extremere Anstiege als beim Ölpreis zeigte, deutet nicht darauf hin dass dieses Ziel erreicht werden kann.
Die CDU spielt mit dem sozialen Auswirkungen der gestiegenen Preise und versucht damit die Hochrisikotechnologie Atomkraft wieder salonfähig zu machen. Dass darf ihr im Interesse der folgenden Generationen nicht gelingen.