Nachdem die GDL bereits vom 20. bis zum 26. Juni spontan beim metronom gestreikt hatte, weil die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt wurden, hat nun bereits am 1. Juli der nächste unbefristete Streik begonnen. Wie die Allgemeine Zeitung aus Uelzen berichtet ist es damit schon der zehnte Streik beim metronom in diesem Jahr und nennt folgende Streikgründe:
Derweil wachsen unter der Belegschaft des Metronom die Zukunftssorgen. Ein katastrophales Streikmanagement und Qualitätsverluste in den vergangenen Monaten könnten Indizien dafür sein, dass die Gesellschafter den Metronom zerschlagen wollen.
Als Fahrgast kann man diese Qualitätsverluste selbst beobachten: Seit dem Wechsel der Geschäftsführung im letzten Jahr scheinen die Reinigungen der Züge seltener geworden zu sein.
Der Blogger rycon schreibt zu den von der GDL aufgeführten Gründen des Streiks:
Das gut-zahlende Unternehmen lässt Tarifverhandlungen scheitern, weil die Gesellschafter das eigene, erfolgreiche Unternehmen an die Wand fahren wollen.
Diese Behauptung wirkt nicht nur erstaunlich paradox und konstruiert, es duftet geradezu nach einer obskuren Verschwörungstheorie. Was das für eine ominöse Ausschreibung gewesen sein soll, auf die sich der metronom angeblich nicht bewarb (was im Übrigen Hunderte Gründe haben kann), geht aus der Mitteilung nicht hervor.
So ganz unklar ist jedoch nicht, um welche Strecke sich der metronom nicht beworben hat. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist die von der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen ausgeschriebene und an die OHE, an der Netinera (über die Netinera Bachstein GmbH) zu 85% beteiligt ist, vergebene (Pressemitteilung als PDF) “Heide-Kreuz”-Strecke gemeint. Statt über die Beteiligung metronom wird nun die neue Tochtergesellschaft Heidekreuzbahn die Strecke betreiben.
Warum das der GDL sauer aufstößt ist klar, denn neben der Niedersachsenbahn (69,9%), eine 60%-ige Beteiligung der OHE, ist auch die BeNex GmbH (25,1%) maßgeblicher Gesellschafter beim metronom. Benex und Netinera (über die Prignitzer Eisenbahn GmbH) sind jedoch auch Gesellschafter der Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG), die, wie von Rycon beschrieben, einen Tarif unterhalb des Niveaus des metronom bietet. Die Gewerkschaft befürchtet daher scheinbar, dass die Gesellschafter über andere Tochtergesellschaften die bisherigen metronom-Strecken übernehmen könnten und dann eine schlechtere Bezahlung erfolgt. Da sich der metronom gegen entsprechende, von den Lokführern geforderte, Schutzklauseln im Branchentarifvertrag wehrt, scheint die Streikbereitschaft der Lokführer, trotz der bisher überdurchschnittlichen Vergütung, ungebrochen.
Ein Ende des Streiks ist leider ungewiss. Mit dem Gesellschafterwechsel bei den Eignern der OHE (wir berichteten) hat diese Befürchtung eher weniger zu tun, da diese Strukturen bereits vor dem Verkauf von Netinera (früher Arriva Deutschland GmbH), im Rahmen des Erwerbs der Arriva-Gruppe durch die Deutsche Bahn AG, an Trenitalia und den französisch-luxemburgischen Finanzinvestor Cube Infrastructure bestanden.